Meiner griechischen Seele tut das #Varoufake ganz gut.

Über die unbegrenzten Möglichkeiten des Internets.
Als der damalige Ministerpräsident Giorgios Andrea Papadreou sich an seine „Partner“ in der EU mit der Nachricht wandte, dass es Griechenland wirtschaftlich nicht gutgeht, und um Hilfe bat, ging jeder Grieche davon aus, dass wir in der Europäischen Staatengemeinschaft auf Augenhöhe miteinander sprechen. So, wie es bei uns Südländern eben ist: Wir fragen zunächst in der Familie nach Hilfe, und unsere Familie hieß Europa. 
Doch anstatt dem Land durch sinnvolle Wirtschaftsförderungsmaßnahmen zu helfen, wurde erst ein nicht perfektes, aber gewachsenes System außer Kraft gesetzt. Gewerkschaften wurden entmachtet, Mindestlöhne abgeschafft. Es wurde  – wie bei Betriebswirtschaftlern und Unternehmensberatern üblich – alles gestrichen, was auf dem Papier kürzungsfähig erschien.     
Griechenland tätigte in der Folge alle bisher ausstehenden Zahlungen an die Schuldner, sodass Geberländer sogar einen Gewinn damit machen konnten (unter anderem durch die Zinsdifferenz).
Ich teile übrigens die Ansicht vieler Experten, Griechenland damals organisiert und geordnet in die Insolvenz hätte gehen sollen. Dies hätte viele Probleme, die wir als Europäer seit Jahren mit uns herumtragen, beseitigt. Vor allem aber wären es nicht die Steuerzahler, die für den Schaden aufkommen müssen, sondern die Verursacher – diejenigen, welche die Wege und Irrwege der Kapitalströme bestimmen. 

Unter denen, die Griechenland an den Pranger gestellt hatten, war das Entsetzen groß, als bei der letzten Wahl in Griechenland eine neue linke Partei namens #Syriza die Mehrheit erlangte. Diese Partei gewann die Wahl zwar mit utopisch klingenden Forderungen, aber sie brachte uns Griechen eines zurück, was wir schon lange verloren hatten: unseren Stolz. 
Der neue griechische Finanzminister, Yanis Varoufakis, wurde in der letzten Woche in Günther Jauchs sonntäglicher Talkshow per Video zugeschaltet. In dieser Sendung wurde eine Aufnahme gezeigt, die Varoufakis mit ausgestrecktem Mittelfinger zeigt, was sich laut Moderator auf Deutschland bezog. 
Varoufakis, immerhin Minister eines Partnerlandes, bestritt die Echtheit der Aufnahme bzw. den Zusammenhang. Weder der Moderator noch das Publikum im Studio und vor den Fernsehern glaubten ihm. Es zeugt von Arroganz und Überheblichkeit, die Beteuerungen eines Ministers in dieser Weise anzuzweifeln. Inzwischen kennen wir alle #varougate und wissen, dass es so, wie von Günther Jauch vehement behauptet, doch wohl nicht ist.
Die anstößige Geste des griechischen Finanzministers wurde aus dem Zusammenhang gerissen. Niemand hat dies hinterfragt. Das ist vielleicht das größte Armutszeugnis.
Was können wir daraus lernen? Die Möglichkeiten des Internets sind nahezu unbegrenzt, und die Wirklichkeit der Bilder ist nicht immer mit der Realität in Einklang zu bringen. Oder, anders ausgedrückt: Nicht jeder Scheiß, den ihr seht, ist auch echt. 
Glaubt nicht immer jeden Scheiß der euch präsentiert wird. Denkt selbst.  
Euer Kristos
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